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Wer war Stephen Galetti?

Wer war Stephen Galatti?

Von Inge Rauschning USA 1951/52

Demnächst werden wieder über den Newsletter Kandidaten für den Stephen Galatti Award gesucht werden, der seit 1983 alljährlich in der weltweiten AFS-Familie für langes, intensives Engagement vergeben wird. Jedes Partnerland kann einen Vorschlag unterbreiten. Die endgültige Entscheidung trifft eine Jury bei AFS International. Die von AFS Deutschland vorzuschlagene Person wählt eine vom deutschen AFS Vorstand eingesetzte Jury aus. Sie wird auf dem Nationalen Treffen operativer Mitarbeiter (NatToM) im November geehrt, denn die deutsche Nominierung ist ja schon eine große Ehre und Anerkennung für den geleisteten Einsatz. Seit kurzem gibt es auch weitere internationale Preise im AFS, u.a. für junge Ehrenamtliche unter 30.  Bisher haben in Deutschland vier Frauen den Stephen Galatti Award verliehen bekommen.  

Aber wer war der Namensgeber des Stephen Galatti Award?  Ohne Stephen Galatti wäre der AFS nicht das geworden, was er ist,  er war der Initiator und Promotor des Schülerprogramms und über Jahrzehnte der charismatische und unermüdlich schaffende Director General des American Field Service. 1888 als Sohn griechischer Einwanderer in die USA geboren schloss er sich nach dem Studium im Ersten Weltkrieg den AFS Ambulanzfahrern an und übernahm bereits 1915  Leitungsaufgaben in ihrer Organisation. Das blieb so, als die Ehemaligen nach Kriegsende zusammenblieben, ein kleines Studienaustauschprogramm mit Frankreich unterstützten und sich schließlich im Zweiten Weltkrieg reaktivierten, zahlenmäßig stärker und an mehreren Fronten.

Den 1947 gefassten Beschluss des AFS, mit einem Langzeit-Schülerprogramm noch nachhaltiger zur Völkerverständigung  beizutragen, bewirkte Stephen Galatti mit visionärer Kraft maßgeblich mit und er widmete sich all die Jahre bis zu seinem Tod 1964 mit ganzer Kraft der Herausforderung, diesen Beschluss  mit Taten und Leben zu füllen. Ein Schülerjahresprogramm war 1947 Neuland, doch der AFS konnte es mutig betreten, da er über die gesamten USA auf das Netz der ehemaligen Ambulanzfahrer bauen konnte, die  sich weiter ehrenamtlich engagierten. So war auch mein Betreuer während meines AFS-Jahres 1951/52 in Portland, Oregon, Maurice Binford, Ambulanzfahrer des 2. Weltkrieges, und er war auch der AFS  Repräsentant in der Region.

Mr Galatti kannten wir alle. Wenn die AFS-Schüler mit dem Schiff in New York ankamen, an Bord die Einreisekontrollen absolvieren mussten und dann schließlich nach und nach einzeln die Gangway herunterkamen, stand er unten auf der Pier, stundenlang,  und nahm jeden in die Arme. In diesem Augenblick wurde man AFSer, aber das bedeutete auch, mit in die Verantwortung genommen zu sein.

Die Zentrale des AFS war damals ein Reihenhaus in der East 30th Street in Manhattan mit ganz wenigen Mitarbeitern. Eine Klimaanlage gab es noch nicht. Mr Galatti arbeitete in einem kleinen Raum im Souterrain. Er kümmerte sich persönlich mit um die Schüler, telefonierte, schrieb kurze, persönlche Briefe. Wenn es eilte, stand damals als Kommunikationsmittel nur das Telegramm zur Verfügung. Vieles wurde noch improvisiert. Er hatte die Gabe, andere so um etwas zu bitten, dass sie  ihm nichts  abschlagen konnten, denn er vermittelte ihnen dabei das Gefühl, dass sie die erbetene Aufgabe auch lösen konnten. Sein Vertrauen in andere Menschen, besonders junge, war grenzenlos.

Legendär ist das Telegramm, das er in den frühen 50er Jahren an einem 30. Juni an Arthur Howe jr., Ambulanzfahrer im 2. Weltkrieg und später sein Nachfolger als Director General des AFS, schrieb:

"Busload of 38 students arriving 3rd July. Will need homes and hospitality 5 days. Know you can handle it. Steve"

Auch dieser fünftägige "Bus Stop" in New Haven, Connecticut, klappte. Diese Busreisen am Ende des Jahres, an deren Ende alle Schüler in Washington D.C. zusammentrafen  -  von Eisenhower bis Johnson mit Empfang beim Präsidenten im Garten des Weißen Hauses  -  waren ein krönender Abschluss. Man musste aber bereit sein, sich immer wieder auf eine neue Gastfamilie einzustellen.   In meinem Jahr 1951/52 gab es sechs Busse, wir waren knapp 250 AFS-Schüler insgesamt.

Mr Galatti hatte auch eine besondere Gabe, Geld für das junge Schüleraustauschprogramm zu sammeln. Stipendien der amerikanischen Regierung gab es  -  soweit ich weiß  -  nur für Deutsche und Österreicher. Wir Schüler waren dabei mit in die Pflicht genommen.  Man kam leicht auf 30 Vorträge während des Jahres vor Clubs, Vereinen, Kirchengemeinden, die schon Sponsoren waren oder für die Unterstützung des Programms gewonnen werden sollten.

Mr Galatti vergaß nie, sich zu bedanken. Am bewegendsten für mich war der kurze, herzliche Dankbrief an meine Mutter für das Frühstück, zu dem wir ihn 1954 in unsere beengte Berliner Nachkriegswohnung eingeladen hatten. Ich war damals "Chairman" in Berlin, das war KoKo, HoKo und Seko in einem. Er reiste um die Welt mit einer Tasche, die als Handgepäck galt, um unermüdlich  Ehrenamtliche zu inspirieren, offizielle Gespräche u.a. mit Behörden zu führen, Kontakte zu knüpfen, Unterstützer zu finden.

Um das Bild weiter ein wenig abzurunden, will ich noch von dem Besuch eines Vertreters der Hamburger Schulbehörde im AFS Büro in New York an einem heißen Sommertag berichten. Ein dankbarer holländischer AFSer hatte Mr Galatti einen Käse geschickt, der der Temperatur entsprechend weich und triefend aus dem Paket kam. Dennoch schnitt Mr Galatti mit einem Messer Scheiben davon ab und verteilte sie. Der eintretende förmlich gekleidete Schulrat musste mangels eines Stuhles auf einer Kiste Platz nehmen und Mr Galatti begrüßte ihn mit den Worten "Would you like a piece?"  Trotzdem durften Hamburger Schüler weiter mit dem AFS ins Ausland fahren. Wie so oft hatte Mr Galattis Charisma alle äußeren Unzulänglichkeiten überspielt.

Natürlich kann der AFS heute nicht mehr geführt werden wie damals. Aber diese von Stephen Galatti geprägten Aufbruchsjahre waren die wichtige Grundlage für die bahnbrechende Entwicklung des AFS. Seine Hingabe und sein unermüdlicher Einsatz sollten für uns alle Vorbild bleiben. Auch wünsche ich mir oft, dass wir die persönliche Bindung und Verantwortung auch den heutigen  Programmteilnehmern  vermitteln könnten. Dann wäre vieles einfacher.

                  

 

Inge mit Mr Galetti
Galetti mit AFS-Studenten 1955
Galetti und Kennedy
Galetti (Foto H-J. Bartsch)

Presse

Wir würden uns freuen, wenn Sie Interesse haben, einen Artikel über unsere Arbeit zu veröffentlichen. Auf Wunsch können wir Ihnen weitere Infomaterialien wie hochauflösende Logos/Fotos und Factsheets zu unserer Organisation zusenden. Alternativ bietet ein Interview mit einem unserer Austauschschüler sicherlich eine ansprechende Möglichkeit, Ihre Leserschaft über das Thema Schüleraustausche und Interkulturelle Erfahrungen zu informieren. Schreiben Sie uns!

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Making the world a better place

Frau Inge Rauschning, unser Finanzvorstand und "AFS-Urgestein" hat einen Artikel veröffentlicht, der im AFS JANUS erschienen ist -  A Publication of the Archives of the American Field Service and AFS Intercultural Programs, Herbst 2015, New York.
Inge berichtet anlässlich des 100jährigen Geburtstags von AFS wie im Jahre 1950 bei ihr alles begann...

Den Original-Artikel könnt ihr hier downloaden.

Making the world a better place

100 years of AFS - and I have been with it for nearly two-thirds of this period! It all began in 1950, when I was selected by the Cultural Office of the High Commissioner for Germany (HICOG) in Berlin for a scholarship from the United States government. I spent an impressive year in Portland, Oregon through AFS and have gone back for several reunions of my class of '52.

After graduating from my German high school and attending the Free University in West Berlin in 1953, I became chairman of the Berlin Student Returnee Group and was responsible for the AFS Americans Abroad Summer Program in 1954.

The population of West Berlin had a strong feeling of gratitude for the Americans, who had defended their freedom during the Soviet blockade from June 1948 to May 1949 through the famous Berlin Airlift, flying in basic supplies for 2 million people. In 1954 the city had not yet been completely reconstructed from the war bombings and families lived in small places, yet 28 students were hosted. They were a special group. I do not remember any problems or family changes, although many of them had to live through the summer without a shower.

It was not difficult to plan an interesting summer for the students, which included a bus tour of the city, a reception by the mayor, and visits to the brewery. I even organized a ball in the cafeteria of the Technical University for the students, host families, and AFS returnees with a real band. There were no tickets sold, though I passed a hat around to pay for the band. I could not have paid them if there had not been enough money in the hat, but there was! This is the kind of thing you do at age 19!

In the spring of 1955 Mr. Galatti invited six returnees who had put special effort in building up AFS in Europe back to the States - three German girls and three boys from Finland, Belgium, and Norway. We experienced working in the office on 30th Street in New York City, and Mr. Galatti took us on fundraising tours and sent us out to generate publicity for AFS. We also prepared the students going to Germany that summer, and chaperoned them on the ship to Europe. It was a great honor and privilege to work so closely with Mr. Galatti. I will never forget his charismatic personality, his devotion, and his talent to convince people to commit themselves to AFS.

I got married in 1956 and moved from Berlin to Hamburg. From 1956 to 1960 I was only an active committee (chapter) member there and on the selection board, but getting my university degree to teach high school and the first two of our six children did not allow for more.

I was back on the stage in 1960, when we moved to Kiel and that phone call came from Hamburg that the AFS committee there had just broken down and that they were sure I would take over. I did for ten years until we moved to Göttingen, and a similar phone call came from Hamburg. This time 34 years of chairmanship were to follow.

In those years my committee hosted three large bus stop groups. I also chaperoned students to New York and New Zealand. In the fall of 1990 after the reunification of Germany, I selected the first AFS students from the formerly communist part of the country. In 1993 I received the Galatti Award, a great surprise and, of course, a great honor!

When I turned 70 in 2004 I could put my committee in younger hands, but remained far from retiring. I am still the treasurer of my committee, conduct home interviews, serve as a host family liaison, and help and give advice when asked for or needed. I find that those committees, where different generations work together, do the best job. On the national level I am a delegate to the AFS National Assembly and a member of the Scholarship Committee and the Galatti Award Jury selecting the German candidate each year.

AFS certainly has been a large part of my life. I am grateful for all the opportunities I had through my AFS program year and the challenges I had to meet as a volunteer. Giving similar chances to young people is a rewarding task. If our participants become more aware and more responsible through their experience, AFS contributes to making this world a little better place to live. The world needs many small steps toward this goal.
 

1. Americans Abroad Summer Program participants do the Bunny Hop at the ball organized by Inge in 1954. Photograph courtesy of Inge Rauschning.
2. Inge with a friend on the AFS bus trip in 1952.
3. Inge with AFS participant Anna Malinowskaya during the 2012-13 program year. With the help of a FLEX (Future Leaders' Exchange to the US) alumna and her husband, who had been active in exchange programs with the law faculty of the Russian Kant-University, Inge helped initiate a small program for students from the oblast of Kaliningrad, formerly part of the German province East Russia, to go to Germany through AFS beginning in 2005. Photograph courtesy of Inge Rauschning.
4. Inge with four of her children in 1962. Since then, she has had two more children and has been a sending and hosting mother and grandmother. This photograph was included in a scrapbook compiled by AFS Germany returnees and given to Stephen Galatti for his birthday.
5. Inge with AFS Director General Stephen Galatti in Berlin in April 1956. Photograph courtesy of AFS Germany.

THW-Jugend e.V. Ausgabe 48

Miriam aus unserem Nachbarkomitee Leinebergland erhielt ein Stipendium für ihr Auslandsjahr in Thailand, weil sie bei der THW-Jugend engagiertes Mitglied ist. Die THW-Jugend berichtet aktuell über sie in einer Ausgabe ihrer Zeitschrift. Es ist doch toll, wenn ehrenamtliches Engagement auch 'mal belohnt wird. Herzlichen Glückwunsch nachträglich.

Den Artikel könnt ihr auch im Internet finden und zwar hier auf Seite 50.

HNA vom 19.10.2014

Die HNA berichtet über ein Mittelalter-Spektakel auf dem Glockenborn. Audrey Ferrell, unsere ATS aus den USA, und ihre Gastmutter, Frau Müller-Otte, waren vor Ort.

Weitere Informationen findet Ihr hier.

Göttinger Tageblatt (GT)

AFS-GT.pdf

Bericht im GT vom 3. 9. 2014; bitte die pdf-Datei anklicken

Wolbrechtshausen ist Briana's zweite Heimat

Briana Whinnie und ihre Freundin Yana Downey zu Besuch in Wolbrechtshausen

Im Juni 2013 war Briana Whinnie (Austauschschülerin 2008/09 im Göttinger Komitee) zu Besuch in Wolbrechtshausen bei ihrer Gastfamilie. Das Mitteilungsblatt der Gemeine Nörten-Hdbg. berichtete im"localbook".

 

 

Wolbrechtshausen ist Briana's zweite Heimat

Als Austauschschülerin des American Field Service (AFS)  lebte die junge US-Amerikanerin 2008/09 ein Jahr bei Familie Boehm in Wolbrechtshausen. Jetzt kehrte sie in ihre "zweite Heimat" zurück.

Briana Whinnie stammt aus Phoenix in Arizona. In ihrer Wolbrechtshäuser Zeit besuchte sie das Otto-Hahn-Gymnasium in Göttingen. Zu berichten hat sie viel, mittlerweile in perfektem Deutsch. Briana liebt Currywurst und Käsekuchen. Auch trinkt sie gern ein frisch gezapftes Pils. Sie sagt, dass sie ganz vergessen habe, wie grün es in Deutschland sei. Weite Felder und Wiesen gibt es in ihrer Heimat nicht, sondern eine Wüste mit riesigen Kakteen. Dort gibt es häufiger auch Probleme mit Immigranten aus Mexiko, die hoffen, in Arizona eine Arbeit zu finden.

Als Briana Familie Boehm 2009 nach einem "erlebnisreichen Jahr" verließ, ging sie zuhause noch ein Jahr zur High School. Von 2010 bis 2013 studierte sie "international affairs" in Flagstaff, Arizona. Briana hat ihr Studium in den USA vorerst mit dem Bachelor abgeschlossen. Nun hat sie an der Universität in Lüneburg einen Deutschkurs sowie einen Kurs über die EU belegt. Sie beabsichtigt, anschließend ein Jahr zu arbeiten und dann das Masterstudium in Business anzuschließen.

"Wann kommst Du wieder?" -  "Vielleicht schon im Oktober", sagt Briana, "vielleicht auch ein wenig später", aber eigentlich möchte sie noch in diesem Jahr das Oktoberfest in München besuchen.

 

               AFS sucht ab September 2013 wieder Gastfamilien. Wer sich vorstellen kann, ein Gastkind ein Schuljahr lang bei sich aufzunehmen, wendet sich an: AFS-Büro Hamburg Tel.: 040/3992220;
lokaler Kontakt: Familie Boehm, Telefon: 05503/3720

 

 

Die Welt nach Hause holen

 

Ein Auslandsaufenthalt in den Vereinigten Staaten bzw. in Thailand, einige Gastschüler aus Kolumbien, Australien, Belgien und Ungarn - Tamara Köke und Lea Deutsch haben in ihrem jungen Leben bislang unterschiedliche Erfahrungen mit der Fremde im Ausland gemacht. Beide eint in ihren Erfahrungen aber der Wunsch, sich ehrenamtlich dafür zu engagieren, dass auch andere diesen Schritt wagen. Die beiden sind noch in der Ausbildung bzw. gehen zur Schule, engagieren sich aber zugleich ehrenamtlich im regionalen Komitee Göttingen des AFS Internationale Begegnungen e.V., einer Schüleraustauschorganisation, und betreuen Gastfamilien und Austauschschüler.
Tamara stammt aus Göttingen, ist 23 Jahre alt, arbeitet bei der Postbank und hat u.a. ein Schuljahr in den USA verbracht. "Ich hatte eine wunderbare Gastfamilie und besuchte in der Zeit die dortige Schule", erzählt Tamara. "Ich hatte ein tolles Jahr, und nach meiner Rückkehr das Gefühl, dass ich etwas dafür zurückgeben möchte."
Lea wohnt in Adelebsen, ist 17 Jahre alt und Schülerin der 10. Klasse. "Ich habe ein halbes Jahr in Thailand verbracht und mein Bruder lebte einige Monate in Australien. Zuhause haben wir selbst einen Gastschüler aus Kolumbien aufgenommen." Das hat ihr sehr gut gefallen.
Ansprechpartner vor Ort
Und als Komitee-Koordinatoren möchten sie gern dazu beitragen, dass ein Schüleraustausch für die Gasteltern und -schüler eine angenehme Zeit wird. "Wir planen und organisieren Aktivitäten mit den Gastschülern, die gerade in unserer Region wohnen", erzählt Lea. "Wir sind aber auch Ansprechpartner vor Ort, wenn es Probleme in den Gastfamilien oder den Schulen gibt." Und ganz außerdem geht es den beiden Ehrenamtlichen auch darum, hiesigen Schülern einen Aufenthalt im Ausland schmackhaft zu machen oder geeignete Gastfamilien in der Region zu finden.
Die Region Göttingen, Northeim und Osterode (einschl. Landkreise) umfasst ihr Komitee, welches sie mit weiteren fleißigen ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen betreuen. "Für mich als Schülerin ist das gelegentlich mal eine Herausforderung", sagt Lea lachend. Das ist z.B. der Fall, wenn Gastfamilien-Interviews in abgelegenen Regionen anstehen, erklären die beiden. Aber da werden dann auch die älteren Ehrenamtlichen mit Pkw aktiv. Alle sind derzeit auf der Suche nach Menschen, die gerne einen Gastschüler aufnehmen würden. "Es ist sicherlich eine Herausforderung, eine fremde Person aufzunehmen. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass es sich für alle Seiten lohnt", erzählen Tamara und Lea. Die Gastfamilien seien immer begeistert gewesen, denn man holt sich schließlich ein Stück Welt nach Hause.
Besondere Bedingungen für Gastfamilien gebe es eigentlich nicht. "Ein freies Bett und etwas zu essen", umschreiben die beiden es verkürzt. Auch Alleinerziehende, kinderlose oder gleichgeschlechtliche Paare können problemlos Gasteltern sein. "Letztlich muss die Chemie stimmen", weiß Tamara. Und Lea ergänzt: "Ein perfektes Auslandsjahr gibt es quasi nicht. Es gibt immer kleinere Probleme." Die müssen eben angesprochen und geklärt werden. Dabei zu helfen, sehen sie als eine ihrer Aufgaben an.
Gastfamilien gesucht
Zum gemeinsamen Kennenlernen gibt es auch Aktivitäten außerhalb der Reihe. Im Februar waren die Gastschüler und die AFS-Helfer Schlittschuhlaufen in Nörten-Hardenberg und im Dezember haben sie gemeinsam Plätzchen gebacken. Es werden auch Studienfahrten mit den Austauschschülern durchgeführt.
Was das Komitee Göttingen noch sucht, das sind Mitstreiter. "Wir haben gerade eine sehr gut funktionierende Truppe zusammen, die sich bemüht und kümmert", erzählt Tamara. "Aber wir suchen und freuen uns immer über weitere HelferInnen".
Wer sich dafür interessiert, als Gastfamilie einem Austauschschüler ein Heim auf Zeit zu bieten, oder wer gerne im Komitee mitarbeiten möchte, kann sich an Frau Boehm per Mail solboehm@aol.com wenden oder mit AFS in Kontakt treten. Informationen gibt es auch auf der Homepage des Komitees afser.de

Gemeindeblatt Radolfshausen  vom 28. 3. 2013 13/13

Das war die beste Zeit meines Lebens

Hat in Tacloban City viel erlebt: Vincent Kruse war zehn Monate lang auf den Philippinen. Foto: Hinzmann

Das Göttinger Tageblatt berichtet in der Ausgabe vom 11. 9. 2012: 
Unter uns leben viele interessante Menschen. Einer davon ist Vincent Kruse: Mit gerade mal 15 Jahren machte der Göttinger einen Austausch auf den Philippinen-Inseln mit. 
Ein Bild deutscher Bürgerlichkeit: Die Sonne steht hoch über dem ehemaligen Bauernhaus. Vincent und seine Eltern sitzen gemütlich im Schatten ihres großen Apfelbaumes. Getränke, um sich von der prallen Mittagssonne abzukühlen, stehen griffbereit. Daneben liegt die aufgeschlagene Tageszeitung. Ein Bild jedoch, an das sich Vincent Kruse erst wieder gewöhnen muss - so ist der jetzt 16-Jährige doch gerade vom anderen Ende der Welt zurückgekehrt. In Tacloban City, einem Ort auf einer Insel im mittleren Osten der Philippinen, lebte er zehn Monate bei einer Gastfamilie und lernte den asiatischen Schulalltag kennen. Das rauschende Meer zu den Füßen, fremde Gebräuche, asiatische Gastfreundschaft und eine anschließende Rundreise waren ebenfalls Teil seines Aufenthaltes.

Organisiert und durchgeführt wurde Vincents Austausch von AFS Intercultural Programs (AFS), einer internationalen Austauschorganisation, die sich für die Verständigung zwischen verschiedenen Kulturen einsetzt und Austauschschüler vor Ort betreut. "Das war die beste Zeit meines Leben", schwärmt Vincent, "Ich durfte so viele neue Menschen kennen lernen und Erfahrungen sammeln, die mich noch mein ganzes Leben begleiten werden."
 Zu den wichtigsten Menschen, die Vincent während dieser Zeit kennen lernte, gehörten natürlich seine Gasteltern und seine drei Gastgeschwister, die den deutschen Familienzuwachs herzlich bei sich aufnahmen und ihm dabei halfen, den "klassischen" Kulturschock zu überwinden. "Gerade meine philippinische Mum ist mir sehr ans Herz gewachsen. Sie hat mich wie ihren eigenen Sohn behandelt, was natürlich auch meine echte Mutter gefreut hat. Als ich sie das erste Mal von den Philippinen aus angerufen und ihr gesagt habe, dass ich mich dort wohlfühle, war sie, denke ich sehr erleichtert."

Wo viel Sonne ist, da ist auch viel Schatten

Aber wie heißt das alte Sprichwort so schön? Wo viel Sonne ist, da ist auch viel Schatten. Vincents asiatisches Zuhause, Tacloban City, wird wegen seiner geografischen Lage auch "Die schöne Stadt an der Bucht" genannt, zählt allerdings zu den ärmsten Städten der Insel-Gruppe.
 Angesprochen auf die Frage, ob er sich Gedanken über Armut und Gewalt gemacht habe, antwortet Vincent mit einen Kopfschütteln. "Nein, vor Übergriffen oder so was in der Art hatte ich keine Angst. Einmal bin ich sogar mit einem Betreuer durch die Slums der Stadt gefahren. Die Leute so zu sehen, tat mir wirklich leid. Es war erstaunlich, dass sie mir gegenüber so freundlich waren - trotz ihrer Situation. Ich weiß mein Leben hier jetzt noch mehr zu schätzen." Um Eindrücke wie diesen besser zu verarbeiten, erklärt er, müsse man aber definitiv viel Einfühlungsvermögen mitbringen und bereit sein, sich schnell auf die fremde Kultur einzulassen.

Einfühlungsvermögen musste der jetzt 16-Jährige auch an seiner Schule auf den Philippinen unter Beweis stellen - angefangen beim Krawattebinden passend zur Schuluniform bis  hin zum Unterricht auf Englisch und zum regelmäßigen Beten des Rosenkranzes. Da die meisten Bewohner in der Region römisch-katholisch sind, sei der Glaube dort wichtiger Bestandteil im Schulalltag. 
 Es ist beruhigend zu hören, dass Vincent, trotz aller Weltmännischkeit, die er während des Gesprächs an den Tag legt, zugibt, an manchen Tagen doch ein wenig Heimweh verspürt zu haben. Feiertage und Geburtstage seien besonders "unangenehm." An solchen Tagen hätten ihm Familie und Freunde gefehlt. Weihnachten aber fand er auch aus einem anderen Grund seltsam: "Überall Kitsch in den Kaufhäusern, Weihnachtsbäume aus Plastik und keine Geschenke. Andere Länder, andere Sitten eben."

Dieses Jahr wäre Vincent normalerweise in die elfte Klasse der Geschwister-Scholl-Gesamtschule gekommen. Wegen seines Aufenthaltes wiederholt er die zehnte Klasse. Ob es das für ihn wert gewesen sei, neue Mitschüler zu bekommen und hier quasi von vorne zu beginnen? "Auf jeden Fall. Ich würde nichts anders machen. Ich habe außerdem gemerkt, wer wirklich mit mir befreundet ist und wer nicht."

Was er nach der Schule machen möchte, steht allerdings noch nicht fest. Jetzt heißt es erst mal, sich ein wenig im Garten der Eltern von den aufregenden Erlebnissen auf den Philippinen zu erholen. 

 

 

 

 

Rückkehr in die zweite Heimat

Wolbrechtshausen. 10 Jahre sind bereits vergangen, seit der 27jährige Marcos Vizquel  aus Venezuela, damals als blutjunger Austauschschüler der Austauschorganisation American Field Service (AFS), erstmals Fuß auf deutschen Boden gesetzt hat. Zwar blieb man stetig in Kontakt, doch die Sehnsucht nach der so lieb gewonnen Umgebung, den Freunden und der Gastfamilie trieb den jungen Mann nunmehr ein zweites Mal ins Göttinger Umland. Wie es ihm dabei erging, schildert er hier: 

Der Austauschschüler Marcos Vizquel aus Venezuela kehrte nach 10 Jahren nach Wolbrechtshausen  zurück und brachte seine Verlobte Carmen mit. 
 
Wie kam es denn dazu, dass du dich mal wieder hier in der Gegend blicken lässt, denn Venezuela ist ja nicht gerade um die Ecke?
Ja, das stimmt! 10 Stunden ist man da schon mal in der Luft. Aber ich hatte Sehnsucht nach meiner Gastfamilie und meinen Freunden. Deshalb meldete ich mich bei meiner Gastfamilie prompt für einen Kurzbesuch  an. 


Also hast du immer noch regen Kontakt mit deiner Gastfamilie? Es ist ja doch schon ein ganzes Weilchen her, dass du hier in Deutschland warst.
In Zeiten von Internet und Telefon ist das doch kein Problem mehr. 

Du sprichst ein ausgezeichnetes Deutsch. Hast du dich nach deinem Aufenthalt hier weiter mit der Sprache beschäftigt? 
In Venezuela ist es sehr schwierig,  Deutschkurse zu belegen. Aber ich hatte einen deutschsprachigen Videofilm und versuchte damit meine Deutschkenntnisse aufrecht zu erhalten.

War es eine große Umstellung für dich wieder einmal hier zu sein?

Nein, eigentlich nicht, es hat sich nur Weniges verändert. Es kommt mir auch so vor, als wäre ich nicht lange weg gewesen. Natürlich bin ich kein 17- jähriger Teenie mehr. Ich bin erwachsener geworden. Doch eines fiel mir sofort auf: Damals fuhr noch kein Metronom.

Wie verbringst du die Zeit in Deutschland?

Die wenigen Tage, die wir in Wolbrechtshausen verbringen, kommen wir kaum zur Ruhe. Denn es gibt ja so viele, die man so lange nicht sehen konnte. So besuchen wir das Otto-Hahn-Gymnasium in Göttingen, wo ich schließlich auch fast ein Jahr studieren und lernen durfte. Dann sind Höhepunkte unseres Besuches der Kontakt zu meinen Freunden beim Musikverein Wolbrechtshausen und  Reisen nach Berlin und Köln sowie in den Harz. Dort wird Carmen zum ersten Mal in ihrem Leben richtigen Schnee sehen. Ich kann auch gleich verraten, dass ich bereits im Sommer wieder vorbeischauen möchte, um in Levershausen Golf zu spielen.

(Mitteilungsblatt Nörten-Hardenberg, 26.01.2012)

Über den Tellerrand geschaut - Ehrenamt Austauschschüler suchen Familien

Eigentlich wollte Briana nur Deutsch lernen. Doch dann packte sie das Fernweh. Im Sommer 2008 siedelte sie für ein Austauschjahr aus den USA nach Nörten-Hardenberg über und besuchte in Göttingen das Otto-Hahn-Gymnasium. Wenn sie an ihre Zeit zurückdenkt, muss sie lächeln und freut sich auf ein Wiedersehen. Die deutsche Sprache lernt sie auch während ihres Studiums  weiterhin.

Ihre Gastmutter, Frau Solvey Boehm, ist zwischen-zeitlich ehrenamtlich für die Austauschorganisation  
-AFS- tätig und sucht für das kommende Schuljahr noch Familien in der Region, die Austauschschüler aus den USA, Südamerika, Europa, in den Ostblockländern oder einem anderen Staat bei sich aufnehmen. Frau Boehm kann sich auch in die Rolle der Gastgeber gut einfühlen. Sie und ihre Familie beherbergten schon selbst einen Schüler aus Venezuela  und eine amerikanische Schülerin. Sie denken gerne daran zurück. Gemeinsam mit den Austauschschülern durchliefen sie alle Höhen und Tiefen des Austauschjahres, weil verschiedene Kulturen aufeinander trafen. Zu Beginn verstanden die Austauschschüler nicht einmal die Sprache was aber nicht so bleiben sollte, denn das Erlernen der deutschen Sprache wurde von der Austauschorganisation besonders gefördert.  

Zum Ende des Austauschjahres gab es ein besonderes Versprechen: "Spätestens zur Hochzeit sehen wir uns wieder."

(14-Tage Nörten, Ortsanzeiger des Flecken Nörten-Hardenberg Nr. 15/2011)